Freitag, 18. September 2015

Insp. Homes ermittelt wieder --- Kapitel 1: Dunst steigt auf: Folge 8



Folge 8

Diese Frage hatte er nicht erwartet. Schließlich ging er – schon aus beruflichen Gründen – davon aus, dass hier Verbrecher am Werk sind und diese es auf seine nicht vorhandenen Reichtümer abgesehen hatten. Oder aber einer seiner ‚Fälle‘ wollte nun Rache an ihm verüben. Insp. Homes antwortete mit leicht sarkastischem Unterton „Wer will das wissen?“. Mit dieser Antwort hatten die Stimmen nicht gerechnet. Fluchtartig und ohne röchelnde Geräusche verließen sie den Raum. Insp. Homes war nun wieder allein. Langsam gewöhnten sich seine Augen wieder an die Dunkelheit. Der Lichtkegel hatte ihn ja voll geblendet. In der Dunkelheit konnte er Umrisse von Fässern und Kisten erkennen. Irgendwo in einem hinteren Eck vernahm er auch ein leichtes Klappern. „Bitte keine Ratten“ dachte sich Insp. Homes. Er hatte fürchterliche Angst vor Ratten. Er fürchtete sich vor vielen Dingen, aber Ratten standen ganz, ganz oben auf seiner Liste. Plötzlich wurde das Klappern auch noch lauter und befand sich auf direktem Weg zu ihm. Da er auch noch mit dem Kopf voraus auf der Erde lag und seine Hände hinter dem Rücken und seine Füße angewinkelt gefesselt waren, konnte er sich nicht einmal aufsetzen. Er malte sich bereits aus, wie sich die Ratte gemütlich auf seinem Kopf austobte.  




Was bisher geschah:




Kapitel 1: Dunst steigt auf

Folge 1

Frühmorgens in der Kleinstadt Senfort. Um diese Zeit war es wie immer unbeschreiblich ruhig. Nur vereinzelt konnte man bereits angegangene Lichter in den Häusern sehen. In der Morgenluft lag der Duft des Frühlings, doch der April machte wieder einmal seinem Namen alle Ehre und bot Temperaturen von tropisch warm bis hin zur Eiseskälte. Insp. Andrew Homes war wie immer mit seinem silbergrauen Landrover auf dem Weg in sein Büro. Im  Kreuzungsbereich der Bucker Street mit der Eisenbahnlinie gingen die Ampeln plötzlich auf rot. Doch es war weit und breit noch keine Eisenbahn zu sehen. Einen kurzen Moment überlegte er weiter zu fahren, entschied sich dann aber doch anders und blieb mit seinem Auto stehen. Da noch immer keine Eisenbahn zu sehen war, stellte er den Motor ab. In diesem Moment blieb auf der gegenüberliegenden Seite ein roter Chevrolet stehen, doch durch die Dämmerung konnte Insp. Homes nicht erkennen, wer am Steuer saß.


Folge 2

Ein paar Sekunden vergingen, doch Insp. Homes kam es wie eine halbe Ewigkeit vor, als er plötzlich die Lichter des Zuges sah. Der rote Chevrolet hatte den Motor noch immer nicht abgestellt und aus dem Auspuff qualmte es mittlerweile gewaltig. In der Zwischenzeit hatte sich noch ein weiteres Auto hinter dem roten Chevrolet eingefunden. Leider konnte Insp. Homes noch immer nicht erkennen, wer hinter dem Steuer saß. Plötzlich grellte ein lauter Pfeifton durch die morgendliche Stille. Vögel flogen auf und mit einem Donner raste ein spärlich besetzter Zug vorbei. Die beleuchteten Fenster zischten wie aufgefädelt vorüber und nur schemenhaft waren vereinzelt die Köpfe der Insassen als dunkle Flecken zu erkennen. In wenigen Sekunden war der Zug dahin und der rote Chevrolet tauchte auf der gegenüberliegenden Seite wieder auf. Insp. Homes startete wieder das Auto, doch die Ampeln der Eisenbahnkreuzung waren noch rot.


Folge 3

Es dauerte eine halbe Ewigkeit bis die Ampeln der Eisenbahnkreuzung ausgingen und wieder freie Fahrt signalisierten. Insp. Homes wollte gerade losfahren, als im selben Augenblick der rote Chevrolet mit lautem Getöse und quietschenden Reifen an ihm vorbeischoss. Es blieb gerade noch Zeit einen kurzen Blick auf die Insassen zu werfen. Ein Mann und eine Frau saßen im Auto. Der Mann, welcher am Steuer saß, wirkte sehr hellhäutig und hatte eine auffallend große Narbe, die sich über die linke Wange zog. Da die Frau auf der Beifahrerseite saß, konnte er von ihr nur eine dunkle Mähne erkennen. Nichts desto trotz setzte Insp. Homes seinen Weg ins Büro fort und bog nach der Eisenbahnkreuzung links in die Railroad Street ein. Es war eine schmale Straße, welche erst vor kurzem geteert wurde und direkt am Bahnhof vorbeiführte. Kurz nach dem Bahnhof wurde er langsamer. Er hielt mit seinem Landrover bei einem großen Haus auf der rechten Straßenseite an, stieg aus und warf einen vorsichtigen Blick über das Einfahrtstor. Ein bissiger Geruch von der frisch geteerten Straße lag noch in der Luft.
Folge 4

Das Haus, welches hinter einer dichten Hecke stand, wurde seit einer geraumen Zeit zum Verkauf angeboten. Es handelte sich dabei um ein altes, ehrwürdiges Herrschaftshaus und wurde von einem pensionierten Rechtsanwalt bewohnt. Eine schmale Zufahrtsstraße bahnte sich seinen Weg entlang der Grundstücksgrenze zum Haus. Insp. Homes hatte erst neulich in einer Tageszeitung ein Inserat von einem Makler für dieses Haus gesehen. Nun stand er da und lies seine Blicke über das Grundstück schweifen. Durch die Dämmerung wirkten die zahlreich gepflanzten Büsche finster und bedrohlich. Das Einfahrtstor stand offen und er konnte kein Licht im Haus erkennen. Aus diesem Grund entschied sich Insp. Homes einen Rundgang auf dem Grundstück zu machen. Sein  Interesse an Häusern bestand nicht unbedingt aus Kaufinteresse, sondern es interessierten ihn vielmehr die Geschichten, die hinter den Fassaden von alten Gemäuern lagen. Könnten Häuser sprechen, hätten sie viel zu erzählen. So auch vermutlich dieses Haus, dass doch schon ein paar Jahre auf dem Buckel hatte. Und nicht selten waren Häuser auch Ausgangspunkte für Verbrechen. Plötzlich hörte er ein Knacken hinter sich.

Folge 5

Blitzschnell wirbelte Insp. Homes herum und hob die Hände, instinktiv zu Fäusten geballt, schützend vor seinen Körper. In diesen Situationen kam es ihm zugute, dass er seit seiner frühesten Kindheit regelmäßig zum Boxtraining ging. Just in dem Moment hüpfte eine schwarze Katze aus dem Gebüsch und schlenderte schnurstracks auf ihn zu. Insp. Homes bückte sich und ging auf die Knie um die Katze zu streicheln. Schlagartig spürte er einen stechenden Schmerz am Hinterkopf und es wurde dunkel. Er fiel kopfüber in die feuchte Wiese und blieb regungslos liegen. Der Kopf brummte ihm gewaltig als er wieder zu sich kam und es fröstelte ihn am ganzen Körper. Als er sich bewegen wollte, um wieder aufzustehen, bemerkte er, dass er seine Arme und Beine nicht bewegen konnte. Augenblicklich begriff Insp. Homes, dass er im kalten Gras lag und seine Arme und Beine mit Klebeband umwickelt waren. Er drehte seinen Kopf nach rechts und blickte direkt auf ein Paar mit Dreck überzogenen Gummistiefeln. Eine krächzende alte Frauenstimme sagte „Das haben Sie davon!“

Folge 6

Insp. Homes verrenkte seinen Kopf, um ein wenig nach oben blicken zu können. Sein Kopf brummte noch gewaltig und er zitterte aufgrund der Kälte am ganzen Körper. Als sich seine Augen so langsam wieder an die Dämmerung gewöhnt hatten, blickten ihn zwei verschmitzte, aber alte Augen an, die ihn ausgiebig musterten. Gerade als er etwas sagen wollte, machte es Dong und die Lichter gingen erneut aus. Als Insp. Homes ein zweites Mal zu sich kam, hatte er keinen Plan wie spät es war, geschweige denn, wo er sich befand. Er spürte nur diesen pochenden, immer wieder kehrenden Schmerz an seinem Kopf und auch die Kälte kroch langsam wieder an ihm herauf. Er bemerkte auch, dass er sich nicht bewegen konnte, auf dem Bauch lag und irgendwie alles feucht und nass war. Vor lauter Dunkelheit konnte er überhaupt nichts sehen. Langsam erinnerte er sich wieder daran, dass er bei einem Haus Halt gemacht hatte und auch ein altes, verschwommenes Frauengesicht kam immer wieder in seinen Gedanken zum Vorschein. Aber das war auch schon alles. Plötzlich hörte er ein lautes Knarren und ein heller Lichtstrahl leuchtete direkt in sein Gesicht. 


Folge 7

Der Lichtstrahl kam mit schneller Geschwindigkeit näher und näher. Kurz schoss es ihm ein: "Hoffentlich lieg ich nicht auf einer Eisenbahnstrecke". Doch außer ein dumpfes Schnaufen und ein schleifendes Geräusch, welches eher an einen alten, angeschossenen Köter, als an eine Lok erinnerte, konnte Insp. Homes nichts hören. Also verwarf er diesen Gedanken wieder, so schnell wie er gekommen war. Plötzlich verstummte das schleifende Geräusch und es war nur mehr dieses Röcheln zu hören. Der Lichtkegel, der direkt auf sein Gesicht gerichtet war, befand sich nun, nur mehr ein paar Meter von ihm entfernt. Für einen kurzen Moment war absolute Stille in dem Raum. Doch es dauerte nicht lange und die Stille ging in ein Flüstern über und endete in einer energischen, aber dennoch leisen Diskussion. Homes, welcher noch immer nicht ganz bei Sinnen war, konnte nur einzelne Brocken verstehen. Nach ein paar Sekunden, welche ihm wie Minuten vorkamen, fragte eine tiefe und erhabene, aber dennoch mit jugendlichem Charme versetzte Stimme: "Wer sind Sie?"


Keine Kommentare: